Kunsthändler der Avantgarde
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Marchand-Amateur und Kunsthändler

Marchand-Amateur
Alfred Flechtheim wurde 1906 zur kaufmännischen Fortbildung in die Kunstmetropole Paris entsandt. Sein dortiges Zusammentreffen mit einer kleinen Kolonie deutscher Künstler, Sammler und Kunstschriftsteller im legendären Café du Dôme wurde zu einer Initialzündung, die seinen Wunsch als Marchand-Amateur zu agieren, wesentlich beförderte: In diesen Jahren wurde das Kaufen und Verkaufen von Kunst zu seiner Leidenschaft. Als Kunsthändler ohne Repräsentanz (Marchand-Amateur) avancierte er zu einem der ersten deutschen Sammler zeitgenössischer französischer Kunst und wurde Mitorganisator der bahnbrechenden Sonderbundausstellungen in Düsseldorf (1911) und Köln (1912), welche die französische Avantgarde und die deutsche Moderne erstmals vereinten.

Vorbilder: Paul Cassirer (1871-1926) und Wilhelm Uhde (1874-1947)
Flechtheims Vorbild war sein Freund und Förderer Paul Cassirer, der ihn ermutigte, den Handel mit Kunst ganz zu seiner Profession zu machen, zumal der geschäftliche Zusammenbruch des väterlichen Unternehmens nunmehr amtlich wurde. So veränderte  Flechtheim seine Rolle als Sammler zu der des Galeristen bzw. Kunsthändlers. Vor allem die Begegnung mit dem seit 1904 in Paris lebenden Marchand-Amateur und Kunstschriftsteller Wilhelm Uhde (1874-1947) verschaffte Flechtheim Kontakte zu Pariser Sammler- und Händlerkreisen, die für seine Arbeit als Kunsthändler und Verleger in Düsseldorf (1913) und Berlin (1921) besonders wichtig wurden. Uhde machte ihn auf Picasso, Braque und Rousseau aufmerksam und sorgte dafür, dass Flechtheim Zugang zu bedeutenden privaten Sammlungen erhielt, stellte den Kontakt zu Daniel-Henry Kahnweiler her und machte ihn u.a. mit Julius Meier-Graefe und Harry Graf Kessler bekannt. In dieser frühen Phase stand für Flechtheim jedoch der Kunstankauf im Mittelpunkt. So soll er nach Aussagen von George Grosz 1910 bei seiner Hochzeitsreise nach Paris die gesamte Mitgift seiner Frau in Kunstwerken angelegt haben.

Kunsthändler der Avantgarde
Flechtheim avancierte zum bedeutendsten deutschen Kunsthändler des Fauvismus und des Kubismus. Nicht eindeutig zu beantworten ist, in welchem Maße er von kaufmännischen Erwägungen geleitet wurde und welche Rolle die persönliche Leidenschaft für die Avantgarde spielte. Sein wichtigster Geschäftspartner wurde der in Mannheim gebürtige und in Paris ansässige Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler und wie dieser sah er im Kubismus den Beginn einer neuen Kunstepoche. Flechtheim schöpfte nicht nur Energie und Enthusiasmus sondern auch die Handelsware aus Paris. Seine ausgeprägt frankophile Neigung teilten Flechtheims Künstler ohne Einschränkung: sie haben fast ausnahmslos in Paris gearbeitet, gelebt oder studiert. Dies gilt auch für die Gruppe spanischer Künstler wie Pablo Picasso, Juan Gris, Manolo Martinez Hugué oder José de Togores, die Flechtheim ebenfalls in seiner Galerie vertrat. Als er Ende 1913 die Galerie in Düsseldorf eröffnete, war die bemerkenswerteste Kunstschau der ersten Monate die Ausstellung der Künstler des Café du Dôme, die damit erstmals in Deutschland vorgestellt wurden.

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