Kunsthändler der Avantgarde
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1933 bis 1937: Verfemung

Flechtheim hatte angesichts wirtschaftlicher Schwierigkeiten ohne spürbaren Erfolg versucht, sich Anfang der 1930er Jahre umzuorientieren, nicht nur was die angebotene Kunst betraf, sondern auch die Art der Tätigkeit. Seiner zweiten grossen, gemeinsam mit der Galerie Hugo Helbing (München) und der Galerie Georg Paffrath (Düsseldorf) organisierten Auktion, die für den 11. März 1933 angesetzt war, wurde durch die SA ein jähes Ende gesetzt. Die Versteigerung von Gemälden und Skulpturen Alter und Neuer Meister aus Museums- und Privatbesitz wurde gestoppt, weil darunter auch Werke "entarteter Künstler" zum Aufruf kommen sollten. Der Kunsthändler Walter Feilchenfeldt war Zeuge, wie die Werke beschlagnahmt wurden und traf umgehend den Entschluss zur Emigration. Die öffentliche Verfemung Flechtheims wurde in einem Hetzartikel vom 1. April 1933 in der Volksparole unter dem Titel "Abgetakeltes Mäzenatentum. Wie Flechtheim und Kaesbach deutsche Kunst machten" fortgesetzt. Das "System Flechtheim" und die von ihm vertretenen Künstler wurden angegriffen, man wollte sie sprichwörtlich "ausrotten": "Der Taumel, der Schwindel der Kunstrevolution ist vorbei. Seine Bilder lagern unverkäuflich im Keller. Seine Firma ging jetzt eben in Konkurs. Es gilt, den ganzen Kunst-Schwindel in Konkurs zu bringen." Am 11. Juni 1933 wurde Flechtheim im Völkischen Beobachter ein weiteres Mal ganz gezielt angegriffen.

Flechtheim erkannte die Bedrohung überdeutlich und suchte nach einer beruflichen Perspektive im Ausland. Ende September / Anfang Oktober 1933 floh Flechtheim aus Deutschland. Seiner Diffamierung im nationalsozialistischen Deutschland war damit jedoch kein Ende gesetzt. Ende 1935 wurde in Dortmund ein weiterer Hetzartikel publiziert. Für die Ausstellung Entartete Kunst 1937, die bis 1941 in zwölf deutschen Städten zu sehen war und die Moderne verfemte, warb ein Ausstellungsplakat mit einem Flechtheim ähnelndem Konterfei. Alfred Flechtheim war auch nach seinem Tod Zielscheibe der nationalsozialistischen Kulturpolitik und Inbegriff des von ihr angefeindeten Systems.

Der nach Paris emigrierte Kunstkritiker Paul Westheim schrieb im Nachruf auf Flechtheim:

"Alfred Flechtheim war mehr als ein Kunsthändler, er war innerhalb des Zeittheaters, das mit anzusehen wird die Ehre haben, ein Mann, der immer im Vordergrund stand, ein Typ, den alle Welt kannte, von dem alle Welt redete."

Und da Flechtheim deutsche und französische Künstler zusammenbringen wollte und in Berlin, bevor es „geistig abgesperrt wurde“, so Westheim, die Kunst von Degas, Renoir, Picasso, Braque und Leger gezeigt hatte, wurde Flechtheim im immer nationalistischer werdenden Deutschland zu einem gehassten und verfemten Menschen.

Die Times konzentrierte sich in ihrem Nachruf auf den Charakterzug Flechtheims, und sprach von ihm bereits als "ehemals" berühmten Künstler.

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