Kunsthändler der Avantgarde

Max Beckmann
Duchessa di Malvedi, La Duccessa di Malvedi, 1926

Provenienz

1927
Atelier Max Beckmann, Frankfurt
1927
Alfred Flechtheim, Berlin
Atelier Max Beckmann, Frankfurt an Alfred Flechtheim, Berlin
1932
Israel Ber Neumann, New York
Alfred Flechtheim, Berlin an Israel Ber Neumann, New York
1932
Günther Franke, München
Israel Ber Neumann an Günther Franke, München
1970
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Leihgabe von Günther Franke an Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
1974
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Stiftung Günther Franke an Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München

Künstler

Max Beckmann
12.02.1884 - 27.12.1950

Beschreibung

Das Gemälde entstand, als Max Beckmann und seine Frau Quappi im Spätsommer 1926 an der italienischen Riviera Urlaub machten. Für die Darstellung wählte Beckmann ein ähnliches Format wie bei dem Bildnis „Quappi in Blau“, allerdings ist die Physiognomie und Haltung der Herzogin reserviert und fast feindselig in der Haltung. Nach Mathilde Beckmann verbirgt sich dahinter eine Dame aus altem italienischem Adel, deren richtigen Namen Beckmann im Bildtitel nicht preisgeben wollte.

 

Literatur

Benno Reifenberg und Wilhelm Hausenstein: Max Beckmann, München 1949, Nr. 235.

John Anthony Thwaites, Max Beckmann. Notes for an Evaluation, in: The Art Quarterly, 14, 1951, S. 275 ff., hier S. 276.

Erhard Göpel: Max Beckmann der Maler, München 1957, Nr. 259.

Charles S. Kessler, The Vision of Max Beckmann, in: Arts Yearbook, 4, 1961, S. 119 ff., hier S. 136.

Peter Selz, Max Beckmann, New York 1964, S. 41.

Erhard Göpel, Berichte eines Augenzeugen, Frankfurt. a. M. 1984 (1956), S. 37.

Felix Billeter: Max Beckmann und Günther Franke, in: Max Beckmann und Günther Franke (Hefte des Max Beckmann Archivs, 4), Ausst.-Kat. Staatsgalerie moderner Kunst München, München 2000, S. 8 ff., hier S. 30.

Stephan Reimertz, Max Beckmann. Bibliographie, München 2003, S. 193 f.

Olaf Peters, Vom schwarzen Seiltänzer. Max Beckmann zwischen Weimarer Republik und Exil, Berlin 2005, S. 82 f.

Felix Billeter: Max Beckmann in der Pinakothek der Moderne, Ostfildern 2008, S. 112-117.

Andrea Bambi: Ich bin nicht Beckmanns Kunsthändler. Alfred Flechtheim und seine Künstlerverträge, erläutert am Beispiel von Max Beckmann, in: Eva Blimlinger und Monika Mayer (Hg.): Kunst sammeln, Kunst handeln, Wien [u.a.] 2012, S. 167–181.

Ursula Harter und Stefan von Wiese (Hg.): Max Beckmann und J. B. Neumann. Der Künstler und sein Händler in Briefen und Dokumenten 1917-1950, Köln 2011, S. 228-230.

Quellen

Günther Franke an Max Beckmann, 23.5.1931 und Alfred Flechtheim an Max Beckmann, 28.5.1931, Max Beckmann an I.B. Neumann, 20. 04. 1932, Max Beckmann Archiv München, Konvolut Franke F MBA 1,3 und FMBA 17:

Günther Franke an Max Beckmann, 23.5.1931

„[…] Flechtheim hat mir seinen gesamten Besitz inklusive Privatbesitz an Ihren Bildern angeboten. Selbst wenn sich das Geld beschaffen ließe, bin ich trotzdem gegen den Ankauf, da Flechtheim danach nur gegen Sie arbeiten würde. Die in seinem Besitz befindlichen Bilder sind das einzige Mittel ihn für uns zu haben. […]“

Alfred Flechtheim an Max Beckmann, 28.5.1931

„Lieber Beckmann!

Sie dürften aus meinem ganzen Verhalten gesehen haben, dass ich nach aussen hin für Sie eintrete, müssen aber begreifen, dass es mir schwer fällt, solches zu tun, da ich während der ganzen Vertragsdauer mit Ihnen und nach derselben von ihnen auf das unglaublichste geschäftlich von Ihnen misshandelt worden bin. Sie sind ein ebenso grosser Kaufmann wie Maler. Vielleicht sogar ein grösserer.[…] Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, in nicht allzu langer Zeit die Bilder, die ich von Ihnen übernehmen musste, ohne Verlust zu verkaufen.[…]“ 

Max Beckmann an I.B. Neumann, 20. 04. 1932

Ganz ausgeschlossen lieber J.B., ich kann nicht noch einmal ein Bild an Franke hergeben. Es bleibt bei meiner Entscheidung!!!

Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre weitere Arbeit, verlange aber von Ihnen, nachdem Sie unseren Vertrag aufgehoben haben 1/4jährige Abrechnung von Bildnern, wie sie jetzt durch Flechtheim an Sie abgegangen sind (Traumzirkus od. Chinesisches Feuerwerk).

Es ist wahrhaftig genug, daß ich Ihnen pekuniär keine Schwierigkeiten mache. Nun sein Sie aber mal zufrieden, sonst reißt auch meine Geduld.

Ich erwarte am 1. Juli 1932 Abrechnung über das von Flechtheim übersandte Bild, andernfalls erbitte ich es frachtfrei zurück.

Ich habe selbst Bildermangel und bin gezwungen mit meiner Arbeit zu sparen.

Mit bestem Gruß

Ihr

Beckmann

Flechtheim an Neumann, 14.3.1932 und 12.5.1932, J.B. Neumann Papers The Museum of Modern Art Archives, NY und Archives of American Art, Washington: 

Alfred Flechtheim an J. B. Neumann, 14.3.1932 

„[…] Was nun Ihren Vorschlag anbelangt, meine 14 Beckmann- Bilder d.h. 12 Bilder und die beiden Hälften der frühen Bilder, mir für 2000,- Dollar abzukaufen, so bemerke ich Ihnen erstens, dass ich das Angebot annehme und ich Ihnen lt. Copie kabelte, d.h. ich muss mir der Ordnung halber das Eigentumsrecht der Bilder bis zu deren Bezahlung vorbehalten, zweitens muss ich den Golden Arrow gegen „Quappi in blau“ tauschen und drittens möchte ich, dies ist allerdings keine Bedingung – ein kleines Stillleben für meine Privatsammlung behalten. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie die Bilder schrecklich billig bekommen und dass ich bei der Transaktion – trotz billigerer Einkaufspreise, denn Sie wissen, wie ich die Bilder bekommen habe, - immerhin noch meine 1000 Dollar verliere. Würden Sie mir eine Freude machen und mich, wenn Sie die Bilder gut verkaufen, vielleicht mit 20 % an ihrem Nutzen beteiligt lassen? Dieses ist keine Bedingung, sondern würde mir die Hoffnung geben, die verlorenen 1000,- Dollar vielleicht wieder herauszubekommen. Wichtig ist mir zu hören, wenn Sie glauben, dass Sie die Bilder bezahlen können. Ich erwarte dieserhalb im Laufe der nächsten Zeit Ihre Vorschläge. Ich möchte Ihnen vorschlagen, mir die Bezahlung der 2000 $ bis Ende des Jahres 1932 zu versprechen. 

Ich werde Ihnen die Bilder kurz vor Ostern, so wie Sie es wünschen, zusenden und den „Schiffbruch“, der augenblicklich in Frankfurt ist, hierherkommen, da es sich um ein kleineres Bild handelt. Ihren Vorschriften für die Versendung werde ich Folge leisten. Ich notierte, dass Sie die Versicherung dort vornehmen.

Das Photo Album schicke ich ihnen auch, denn ich habe es ja nicht mehr nötig, es hat uns wesentlich mehr gekostet als R.M. 100,- Es wäre mir deshalb lieb, wenn Sie mir dafür bei Gelegenheit 25,- $ überweisen würden. Für mich ist das Kapitel Beckmann insoweit abgeschlossen, als ich finanzielles Interesse für diesen Künstler nicht mehr habe.

Ich bin davon überzeugt, mein lieber Neumann, dass, wenn Sie in Europa wären, es eine Freude wäre, gemeinschaftlich mit Beckmann zu arbeiten, aber Ihre Münchner Kreatur ist unausstehlich. Da haben Sie sich eine nette Schlange an ihrem Busen grossgezogen!

[…]

Mit freundlichen Grüssen Ihr Alfred Flechtheim

P.S.II: Dass Sie bei Beckmann nicht billiger angekommen wären als bei mir, beweisen die Preise, die in dem beigelegten Katalog vermerkt sind. In diesen befindet sich eine Provision von 30 %.

P.S.III: Das Retentionsrecht muss ich mir vorbehalten, nicht aus Misstrauen Ihnen gegenüber, sondern weil ich auf Grund desselben versuchen werde, mir Geld auf die Forderung zu pumpen.“ 

Alfred Flechtheim an J. B. Neumann ,12.5.1932: 

„[…]

Beckmann: Tant pis! Besten Dank für Ihr Schreiben. Wenn Sie gefürchtet hatten, dass ich mal Beckmanns für 2, 300 M verschleudert hätte, dann haben Sie sich doch geirrt. Aber ich halte es doch im Interesse Beckmanns für sehr wichtig, dass sich die Bilder drüben und bei Ihnen befinden.“

Alfred Flechtheim an George Grosz, c/o Steiner, 50 Union Square, New York, undatiert, Houghton Library, Harvard College Library, Harvard University:

„[…]

-wenn Du mir schreibst, bitte Brief an Dr. Bernoulli, Basel, Holbeinstr. 69, senden.

Hoffentlich geht’s Dir gut. Ich habe, höchstens übers Geschäft, sonst nicht zu klagen. Am 6. Juni bin ich wieder zu hause. 

Grüße Deine l Frau& Neumann bitte. Er soll mir die Beckmanns bezahlen, wenigstens etwas. Ich habe kein Geld. Florenz ist herrlich. Herzlich Alfred“